Umweltnachrichten: BUND Sachsen warnt vor Ministerpräsident Tillichs Warnungen zum Kohleausstieg

Chemnitz, 12.06.2017 (bd/sa). In heute online in der WirtschaftsWoche vorab veröffentlichten Kommentaren warnt der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich vor einem schnellen Kohleausstieg in Deutschland. Offenbar erhofft sich der Ministerpräsident durch Donald Trumps angekündigten Ausstieg aus dem Paris-Abkommen Rückenwind für seine rückständige Energiepolitik. Der BUND Sachsen warnt vor dieser schon ökonomisch extrem kurzsichtigen Perspektive und fordert den Ministerpräsidenten auf, in Sachsen die Abhängigkeit vom Klimakiller Braunkohle schnellstmöglich drastisch zu reduzieren.

Zu Tillichs Aussage „Tagebaue und [Braunkohle-]Kraftwerke werden noch sehr viele Jahre die Stromversorgung sicherstellen, falls nicht durch politische Entscheidungen die Wirtschaftlichkeit der Braunkohleverstromung in Frage gestellt wird“, erklärt Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen: „Die Wirtschaftlichkeit der Braunkohle ist heute schon auf Betriebsebene fraglich. Nicht umsonst hat sich Vattenfall aus diesem Geschäft verabschiedet. Und auch der neue Betreiber der Lausitzer Braunkohlewirtschaft, die LEAG, hat im März 2017 verkündet, neue Geschäftsfelder im Energiebereich auf den Weg bringen zu wollen. Für den Betrieb hängt die Wirtschaftlichkeit schon heute an Subventionen wie etwa an nicht oder unvollständig erhobenen berg- und wasserrechtlichen Abgaben.“

Tillichs Statement „Durch einen früheren Verzicht auf die Braunkohleverstromung würde die Abhängigkeit von Gasimporten bei einem steigenden Strom- oder Energiebedarf immer größer“, entgegnet Ekardt: „Erneuerbare Energien, mehr Stromspeicher und mehr Energieeinsparung machen viel wirksamer unabhängig von den fossilen Brennstoffen – und dank neuer Speicher und Leitungen droht auch kein Stromausfall. Dass Energieeffizienz und erneuerbare Energien – besonders bei Einbeziehung der Klimawandelfolgen – für die Gesellschaft insgesamt wirtschaftlicher sind als die Kohle, haben für EU und Bundesregierung Fachleute diverse Male vorgerechnet. Sie schaffen auch mehr Arbeitsplätze.“

Wenn Tillich, wie in der WirtschaftsWoche weiter zu lesen, die besondere Energie-Leistung seiner Region nicht angemessen berücksichtigt sieht, erntet er Zustimmung bei Ekardt: „Tatsächlich konzentriert sich die Bundesregierung bislang nicht ausreichend darauf, einen Ausstiegspfad für die Braunkohlereviere in Sachsen festzulegen und den notwendigen Strukturwandel voranzutreiben. Doch genauso versäumt der Freistaat die erneuerbaren Energien konsequent auszubauen. Wie unserem gerade erst veröffentlichten Kohleatlas Sachsen zu entnehmen ist, liegt Sachsen im Stromsektor beim Anteil der Erneuerbaren weit hinter den beiden anderen ostdeutschen Braunkohleländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg.“

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