Wissenschaft & Forschung: Moos rettet Moor

In einem neuen Projekt züchten Biologen Torfmoos für nachhaltigen Rohstoffanbau und Klimaschutz

Traditionelle Torfgewinnung zerstört Moorlandschaften. Foto: Ralf Reski

Bayreuth, 16.05.2017 (idw). Ob im Schrebergarten oder im Gartenbau: Torf wird oft eingesetzt, um verschiedene Erden zu verbessern – doch der Abbau des Substrates, das in Mooren entsteht, zerstört ihr Ökosystem und trägt über erhöhte Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2) zur Klimaerwärmung bei. Prof. Dr. Ralf Reski und Privatdozentin Dr. Eva Decker von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg wollen bei dem Projekt „MOOSzucht“ Torfmoose als nachhaltige und schnell nachwachsende Alternative entwickeln. Die Universität Greifswald betreut das Vorhaben federführend; außerdem sind das Karlsruher Institut für Technologie und eine Firma aus Niedersachsen beteiligt.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert es mit etwa 1,1 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre.

Hochmoore spielen eine wichtige Rolle bei der Regelung des Klimas: Sie erhöhen die Biodiversität und speichern große Mengen von Wasser und des Treibhausgases CO2. Die Fähigkeit zur Wasserspeicherung verdanken Moore ihrem Hauptbestandteil, den abgestorbenen Torfmoosen, die als Torfe im Gartenbau zum Einsatz kommen. Weltweit werden jährlich 30 Millionen Kubikmeter Torf verbraucht, neun Millionen davon allein in Deutschland. Torfabbau und Entwässerungen durch die Landwirtschaft haben dazu geführt, dass hierzulande nur noch knapp fünf Prozent der Moorlandschaften intakt sind.

In vorangegangenen Projekten haben die Greifswalder Ökobiologen bereits gezeigt, dass abgetorfte, degradierte Moore eine ideale Grundlage bilden, auf der neu ausgesäte Moose aus der Familie Sphagnum wachsen können. Diese nachwachsenden Torfmoose können nach einigen Jahren geerntet und als Torfersatz im Gartenbau verwendet werden. Eine derartige Nutzung nasser Moorflächen wird Paludikultur genannt. Sie reduziert CO2-Emissionen, erhält landwirtschaftliche Flächen, erhöht die Biodiversität, sichert Arbeitsplätze im ländlichen Raum und stärkt die regionale Wirtschaft. „Bisher verhindert aber ein Mangel an „Moossaatgut“ den kommerziellen Einsatz der Paludikultur. Außerdem muss deren Effizienz noch um mindestens 30 Prozent gesteigert werden“, sagt Reski.

In dem von der Europäischen Union geförderten Vorhaben „MossClone“ haben die Freiburger Biologinnen und Biologen Sphagnum in Bioreaktoren bereits artenrein vermehrt. „Diese Technologie werden wir in MOOSzucht zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen vom Karlsruher KIT weiter verbessern“, erklärt Reski. „Außerdem werden wir unser Wissen über die genetische Beschaffenheit der Moose Physcomitrella und Sphagnum anwenden, um über so genanntes smart breeding besonders schnell wachsende Torfmoose zu gewinnen.“ Die Gutachterinnen und Gutachter des BMEL haben die Verbindung von Pflanzenbiotechnologie, Bioverfahrenstechnik, Ökobiologie, Gartenbau und Landwirtschaft als besonders innovativ und als gelungenes Beispiel für die kreative Verbindung von Ökologie und Ökonomie bewertet.

Die Freiburger Biologen sind auf die Moosforschung spezialisiert und haben dazu beigetragen, Moose zu weltweit genutzten Modellorganismen für Biologie und Biotechnologie zu entwickeln. Ralf Reski ist Inhaber der Professur für Pflanzenbiotechnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Biologe ist Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies und war Senior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) sowie am französischen Pendant USIAS, dem Institute for Advanced Study der Université de Strasbourg.

 

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