Ökosiegel

Was steckt hinter den Öko-Siegeln?

Vor dem Hintergrund ständig neuer Lebensmittelskandale gewinnen Bio-Produkte zunehmend an Bedeutung. Der höhere Preis spielt bei den deutschen Verbrauchern im Vergleich zum benachbarten Ausland zwar eine sehr große Rolle, aber immer mehr Konsumenten wollen für gesunde Lebensmittel aus ökologischem Anbau auch gerne etwas mehr zahlen. Der Handel kommt diesem Wunsch entgegen und bietet in seinem Warensortiment ein ständig wachsendes Angebot von Bio- beziehungsweise Öko-Produkten. Damit die Kunden im Regal gezielt zu diesen Waren greifen, werben alleine in Deutschland mehr als hundert Biomarken und Ökosiegel um die Gunst des Verbrauchers. Im Handel findet man oft Produkte, auf denen mit verschiedenen Begriffen geworben wird. Aber nicht immer steckt geprüfte Öko- oder Bio-Qualität dahinter. Nicht geschützt, also irreführend, sind Bezeichnungen wie „aus kontrolliertem Anbau“, „aus alternativer Haltung“ oder „aus umweltschonendem Anbau“. Doch wofür stehen die offiziellen Zertifikate und Ökosiegel, welche Garantien übernehmen sie für die mit ihnen gekennzeichneten Produkte?

Der Umwelt-Kompass.com stellt hier die wichtigsten Ökosiegel vor und erläutert, welche Kriterien bei ihnen im Vordergrund stehen und welche unter Umständen überhaupt nicht berücksichtigt werden. Dabei muss zunächst einmal zwischen staatlichen Biosiegeln und den Verbandslabeln unterschieden werden. Das offizielle deutsche Bio-Siegel kennzeichnet die Produkte, die mindestens den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung genügen. Darüber hinaus gibt es private Label wie Demeter, Bioland oder Naturland, die überwiegend strengere Anforderungen stellen. Als Zertifizierungsgrundlage müssen jedoch mindestens die EU-Anforderungen erfüllt werden. Ein Verbandssiegel ohne eine EU-Zertifizierung ist nicht möglich.

Das Bio-Siegel der Europäischen Union wurde im Sommer 2010 eingeführt. Ein Produkt kann das europäische Bio-Siegel erhalten, wenn darin höchstens 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten ist und mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus der Öko-Landwirtschaft kommen. Demzufolge ist Ware mit dem EU-Siegel nicht unbedingt „lupenrein“ ökologisch, denn sie kann immer noch zu einem geringen Anteil mit Gentechnik und aus konventionellem Landbau hergestellt werden. In vielen Mitgliedsstaaten der EU hat sich das europäische Biosiegel durchgesetzt. In Deutschland wurde es bisher wegen des größeren Bekanntheitsgrades des staatlichen deutschen Siegels und der Logos der Anbauverbände relativ wenig verwendet, meistens in Kombination mit dem deutschen Logo. Seit 1. Juli 2012 ist es verpflichtend beziehungsweise Mindeststandard.

Das deutsche staatliche Bio-Siegel wurde bereits 2001 eingeführt und entspricht den europäischen Vorgaben. Im Dezember 2010 nutzten 3803 Unternehmen das Siegel auf 61.744 Produkten, im Januar 2012 waren es 3992 Unternehmen auf 63.633 Produkten. Auf den Verpackungen werden das EU-Siegel mit Sternen auf einem grünen Blatt sowie das deutsche, sechseckige Symbol auf weißem Grund oft gemeinsam verwendet. Die großen privaten Bio-Siegel Bioland, Naturland und Demeter haben strengere Anforderungen als die offiziellen Siegel, vor allem bei Haltung und Fütterung der Tiere. Auch bei Zusatzstoffen gelten strenge Richtlinien, so muss bei Demeter sogar die Hefe für Backwaren aus biologischer Herstellung kommen.

Während bei Bioland, Demeter und Naturland die Zusammensetzung der Produkte zu 100 Prozent aus ökologischer Herkunft sein muss, erlaubt das EU-Biosiegel wie bereits erwähnt einen Anteil von fünf Prozent aus konventionellem Anbau und 0,9 Prozent an gentechnisch verändertem Material. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind nach der EU-Richtlinie bei allen verboten. Demeter verschärft diese Bestimmungen durch den zusätzlichen Ausschluss von Jod, Nitritpökelsalz und natürlichen Aromen. 47 Zusatzstoffe wie Hefeextrakt, natürliche Aromen und Pökelsalz werden beim EU-Ökosiegel zugelassen, Demeter gestattet nur 13 „absolut notwendige“ Zusatzstoffe bei der Verarbeitung.

Bioland ist mit mehr als 5700 Landwirtschaftsbetrieben und 1000 Vertragspartnern wie Bäckereien, Metzgereien, Molkereien, Brauereien und Mühlen (Stand Anfang 2013) der größte Verband in Deutschland. Garantiert wird ein organisch-biologischer Anbau ohne Kunstdünger und Pestizide. Biosaatgut ist ebenso vorgeschrieben wie eine naturheilkundliche Behandlung von kranken Tieren.

Das Demeter Ökosiegel steht für eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach den Richtlinien des Anthroposophen Rudolf Steiner (1861-1925), des Begründers der Waldorfpädagogik. Nur streng kontrollierte Vertragspartner dürfen ihre Produkte mit dem Demeter-Logo kennzeichnen. Die Ansprüche gehen über die EG-Verordnung hinaus und verlangen den Verzicht auf synthetischen Dünger, chemische Pflanzenschutzmittel, künstliche Zusatzstoffe in der Weiterverarbeitung, die Förderung der Lebensprozesse im Boden und in der Nahrung. Ein Demeter-Betrieb muss immer komplett auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt werden.

Der Naturland-Verband für naturgemäßen Landbau wurde 1982 in München mit dem Ziel gegründet, den ökologischen Landbau weltweit zu fördern. 2012 gab es in Deutschland 2604 Naturlandbetriebe mit einer Fläche von mehr als 139.481 Hektar. Außerhalb Deutschlands bewirtschafteten 2012 mehr als 50.000 Landwirte eine Fläche von mehr als 120.000 Hektar. Produkte mit dem Naturland Bio-Siegel wurden in ganzheitlich wirtschaftenden Betrieben nach strengen biologischen Standards erzeugt. Darüber hinaus hat sich Naturland auf die Zertifizierung von ökologischer Waldnutzung und Aquakultur spezialisiert.

Biopark ist eine geschützte Marke zur Kennzeichnung von ökologischen Lebensmitteln, rund 700 Mitglieder arbeiten nach den Richtlinien und verzichten dabei auf chemische Betriebshilfsstoffe wie Insektizide, Herbizide und Fungizide oder gentechnisch veränderte Organismen. Eine tierartgerechte Haltung, die Förderung der Bodenfruchtbarkeit durch eine natürliche Fruchtfolge und der Einsatz von betriebseigenem Dünger sind Vorschrift.

Das Ecovin Ökosiegel kennzeichnet Weine, Säfte, Trauben und Sekte aus ökologischem Weinbau. Neben dem umweltschonenden Anbau werden widerstandsfähige Rebsorten bevorzugt. Weitere Ziele sind die Erhaltung der Artenvielfalt im Ökosystem Weinberg sowie eine Reduzierung der Gewässer- und Bodenbelastung.

Der Gäa-Bundesverband wurde 1988 als Arbeitsgemeinschaft für ökologischen Landbau in der ehemaligen DDR gegründet. Der Gäa-Standard ist vergleichbar mit dem der anderen ökologisch-biologisch orientierten Anbauverbände in Deutschland.

Das Neuform Ökosiegel kennzeichnet ausschließlich im Reformhaus verkaufte Vertragsware. Es gilt für Lebensmittel, die ohne gentechnisch manipulierte Rohstoffe hergestellt, nicht radioaktiv bestrahlt wurden und frei von gehärteten Fetten sind. Die Produkte enthalten auch keine synthetischen Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe.